|
Die Nassauische Kleinbahn AG
Eine der längsten und landschaftlich schönsten Schmalspurbahnen Westdeutschlands, durchkreuzte einst den Taunus zwischen Rhein, Lahn und Aar in drei Teilstrecken. Betriebsmittelpunkt war Nastätten.
Ringlokschuppen mit handbedienter Drehscheibe, Werkstatt und umfangreiche Gleisanlagen, hätten manchem Normalspurbahnhof gut zu Gesicht gestanden. Die Strecken
führten: zum Rhein nach St.Goarshausen bzw. nach Braubach (bis 1920 Oberlahnstein) und zur Aar nach Zollhaus. Ursprünglich als Normalspurige Verbindung zwischen der Aartalbahn und Rechtsrheinischer Eisenbahn gedacht,
schrumpften bald die Anforderungen aus topographischen und finanziellen Gründen. So wurden erst durch das Preußische Kleinbahngesetz vom 28.Juli 1892 die Möglichkeiten zum vereinfachten Lokalbahnbetrieb geschaffen. Es folgten
Planungen die Bahnlinie von Zollhaus über Katzenellnbogen, Nastätten, Miehlen, Ruppertshofen nach Bogel und St.Goarshausen zum Rhein zu führen um dort den Kalkstein der Hohlenfelser Brüche zu verschiffen. Nach Beschwerden aus
dem Bachheimer Grund und Gemmerich, sowie Dachsenhausen, Braubach und Oberlahnstein, wurde die Planung wie folgt geändert: Die Strecke Nastätten - St.Goarshausen wurde auf dem kürzesten Weg durch das Heubach- und das
Hasenbachtal geführt. Der Streckenast Miehlen wurde über Gemmerich, Dachsenhausen nach Braubach und Oberlahnstein geführt. Doch dabei machte man den verhängnisvollen Fehler, der zwar der Braubacher Strecke den Ruf einer
Gebirgsbahn einbrachte, aber auch den frühen Abbruch 1932 einleitete.............. Von Dachsenhausen aus führt der kürzeste Weg nach Braubach durch das Dachsenhausener Bachtal. Doch bei einer Länge von nur 7km und einem
Höhenunterschied von 320m hätte man nach damaligem Stand der Technik eine Zahnstange incl. Zahnradloks mit all den Beschränkungen und zusätzlichen Arbeiten, die solch ein System verlangt, benötigt. Daher entschloss man sich zur
Streckenverlängerung über Becheln und nutzte das Zollgrundtal zur Höhengewinnung aus (ähnlich dem Weinglastal der Südharzeisenbahn). Die Steigung Zollgrund - Becheln betrug immer noch stattliche 1:30 und verlangsamte nochmals
die Durchschnittgeschwindigkeit, bzw. machte die Talfahrt gefährlich. In der Anfangszeit des Bahnbetriebs gab es dort auch mehrere Unfälle. Außerdem verteuerten die notwendigen Sprengungen und der Einsatz eines Dampfbaggers die
Gesamtkosten der Bahn um etwa 2Millionen Mark auf etwa 7 Millionen Mark. Dadurch musste das Aktienkapital aufgestockt werden und wichtige Gleis- und Umladeanlagen in Oberlahnstein wurden gestrichen. So gab es keine Anbindung
zum Güterbahnhof oder zum Hafen. Es gab nur ein Umsetzgleis, auf dem zeitweise Güterwagen standen, die über Laufplanken auf Schiffe entladen wurden. Auch das Schlachtvieh für Lahnstein wurde dort entladen. Am Streckenende vor
dem Martinsschloß fand sich nur eine Wellblechbude, die nicht als Warteraum genutzt werden konnte, weil sie abgeschlossen war. Da nur wenig Güterverkehr und fast kein Reiseverkehr stattfand (Reichsbahnstrecke parallel mit
höherer Zugfolge) wurde auf der Strecke 1917 der Personenverkehr eingestellt und 1920 die Schienen entfernt. Für die Ortsdurchfahrten in St.Goarshausen und Braubach musste man sich einige Kuriositäten Einfallen lassen. So
baute man in St.Goarshausen einen Tunnel unter Staatsbahn, Rheinuferstraße und den Keller eines Wohnhauses, weil der angrenzende Fels zu brüchig für einen Durchbruch war. In Braubach wurde ein Turm der Stadtbefestigung
(Obertor) unter Anleitung von dem bekannten Burgenarchitekten Bodo Ebhard durchtunnelt, um Platz für die Bahn in der engen Ortsdurchfahrt zu schaffen. Ebenfalls in Braubach integrierte man das 750mm Spurgleis einer Pferdebahn
der Blei und Silberhütte als Dreischienengleis und transportierte fortan mittels Dampflok und Zwischenwagen die Erze oder Fertigwaren zwischen Hütte und Rhein- bzw. Bahnverladung hin und her. Sind auch jetzt in Braubach die
letzten beiden Schienen, des ursprünglich dreischienig betriebenen
Streckenabschnittes Blei- und Silberhütte - Kleinbahnhof bzw. Hafen entfernt, so künden doch noch die Bahnhöfe von St.-Goarshausen, Nastätten, Zollhaus, Miehlen und Dachsenhausen (etwas umgebaut), einige Bahnhof- oder Kleinbahnstraßen, von der einstigen Bedeutung dieser Bahn. Kilometerlange Bahndämme durch scheinbar unberührte Wälder werdenbevorzugt als Wander- oder Forstwirtschaftswege benutzt.
Die Hoffnungen, welche die Initiatoren dieser Kleinbahn mit in die Wiege legten, wurden nicht erfüllt. Die Gruben und Industriebetriebe lagen überwiegend nahe den drei Endpunkten. Die Mühle in St.Goarshausen, Blei-und
Silberhütte in Braubach, sowie die Erzgruben bei Mudershausen und die Kalksteinbrüche in Hohlenfels lagen alle nahe an den Streckenenden und trugen nicht zur Auslastung der Gesamtstrecke bei. Durch besondere Tarife
versuchte man den Güterverkehr von Hohlenfels nach St.Goarshausen zu lenken ( siehe “Lok 15” ). Einzig die Backsteinfabrik in Miehlen (mit eigenem Anschlußgleis), sowie die Holzabfuhr benötigte mehr Streckenkilometer .
Nur kurz vor dem Ersten Weltkrieg konnte man einige schwere Güterzüge mit Kalkstein von Hohlenfels zur Blei- und Silberhütte abfahren. Eine seltene Gelegenheit für die D-Kuppler Lokomotive (Lok 9) in Braubach Wasser zu
fassen.Die Gruben zwischen Winterwerb und Dahlheim, die die Streckenführung über Gemmerich mit
beeinflußt hatten, wurden nicht mehr aktiviert. So war bei der Planung der Strecke oft der Wunsch der Vater des Gedankens. Viele Kurven und Schleifen wurden nicht nur zur Höhengewinnung eingebaut, sondern auch um möglichst viele Orte an das Bahnnetz anschließen zu können. Der teuerste und schönste Streckenabschnitt zwischen Becheln und Braubach, war zugleich auch der unwirtschaftlichste. Der Bahnhof Becheln (Wellblechbude mit Kreuzungsgleis) lag ca. 1km vom Ort entfernt. So war es zweckmäßig in Richtung Braubach den Bahnhof Zollgrund (dito) zu nutzen, oder gleich das letzte Stück zu Fuß zu gehen. Da die ländliche Bevölkerung im Taunus nicht gerade im Überfluß lebte, sparten sich viele die teure Bahnfahrkarte und das Kleinbahnzüglein, das oft nur aus einer C-Kuppler Lok, einem Packwagen und einem Personenwagen bestand fuhr leer oder nur schwach besetzt. Zeitweise fuhren sogar nur Güterzüge nach Braubach , die dann im Packwagen bedarfsweise Fahrgäste mitnahmen. Das widerum begünstigte die Bemühungen der Post, eine Buslinie von Niederlahnstein nach Nastätten ein zu richten.Dadurch wurde der Braubacher Streckenast vollends unrentabel.1932 wurde dann leider die Strecke stillgelegt ( von Bahnhof Miehlen bis Bahnhof Silberhütte) und abgebaut. Die Stahlträger des Zollgrundviaduktes wurden jedoch erst im II. WK abgebaut und eingeschmolzen, als man Stahl für die Rüstungsindustrie brauchte. Die Reststrecke innerhalb von Braubach wurde nur noch für die Blei- und Silberhütte betrieben. Die Meterspurdiesellok Lok V 16 wurde 1951 neu beschafft, 1957 wurden zwei ehemalige Heeresfeldbahndieselloks gekauft, das Dreischienengleises wurde aufgegeben und fortan nur nur zweischienig mit 750mm betrieben.
Etwas besser lief der Personenverkehr zwischen Nastätten und der Kreisstadt St.-Goarshausen und nach Zollhaus, besonders in der Zeit kurz
nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde jedoch später Zug um Zug durch eigene Busse übernommen
|